Yggdrasil &
Prisma
Zwei Softwarelösungen, die Sensordaten und KI zu einem Echtzeit-Lagebild verbinden und Führungskräften sofort Handlungsoptionen liefern.
Wenn Sekunden entscheiden
Ein Sensor schlägt an. Eine Drohne misst erhöhte Strahlungswerte oder gefährliche Chemikalien in der Luft. Der Wind dreht. Wenige Minuten später müssen Führungskräfte entscheiden: Kräfte verlegen, warnen oder einen Bereich sperren?
So sieht moderne ABC-Abwehr aus. Atomare, biologische und chemische Gefahren treten heute selten allein auf. Sie treffen auf hybride Angriffe und wirken gleichzeitig auf Land, See, in der Luft sowie im Cyber- und Informationsraum.
Die Komplexität steigt und klassische Systeme kommen dabei schnell an ihre Grenzen. Sie sammeln Daten, aber oft zu langsam. In diesem Umfeld entscheidet Informationsüberlegenheit unter Zeitdruck. Wer schneller erkennt, was passiert, entscheidet früher und bleibt handlungsfähig.
Genau hier setzen Yggdrasil und Prisma an.
Zwei verzahnte Softwarelösungen, die Sensordaten in Echtzeit zusammenführen, auswerten und direkt in Entscheidungen übersetzen.
Der CIHBw, das Bundeswehr-Startup, entwickelt sie gemeinsam mit einem Intrapreneur aus dem ABC-Abwehrkommando der Bundeswehr und dem Startup Project Q.
Yggdrasil verbindet Sensoren, Drohnen und Warnsysteme in einem gemeinsamen Lagebild. Prisma wertet diese Daten mit Künstlicher Intelligenz aus, priorisiert Risiken und leitet daraus konkrete Handlungsoptionen ab, etwa durch automatisierte Lagebewertungen, Szenarioanalysen und klare Entscheidungsempfehlungen für Führungskräfte.
Beide Projekte bringen Software Defined Defence in die Truppe. Neue Fähigkeiten kommen nicht erst nach Jahren in die Truppe. Updates lassen sich im Wochenrhythmus integrieren, sodass die Bundeswehr schneller auf neue Bedrohungen reagieren kann.
Das Ende der analogen Meldekette
In der klassischen ABC-Abwehr misst ein Sensor zum Beispiel Strahlung, giftige Chemikalien oder biologische Stoffe in der Luft. Soldatinnen und Soldaten lesen den Wert ab, melden ihn per Funk und tragen ihn manuell in ein System ein. Das kostet Zeit und sorgt für Medienbrüche. Im Ernstfall entscheidet beides.
Yggdrasil ersetzt diese analoge Meldekette durch eine Plug-and-Fight-Architektur. Das bedeutet: Neue Sensoren lassen sich ohne aufwendige Integration direkt anbinden und sofort in bestehende Systeme einfügen.
Drohnen, tragbare Warngeräte und weitere Sensoren fließen über standardisierte Schnittstellen in einen gemeinsamen Datenraum. So entsteht ein durchgängiger Sensor-to-Decider-Ansatz. Das bedeutet: Sensordaten gelangen ohne Umwege und Zeitverlust direkt von der Erfassung zur entscheidenden Führungsebene. Damit verbindet die Bundeswehr Sensoren aus unterschiedlichen Quellen in einem Lagebild.
HYDRIS bildet das Herzstück von Yggdrasil. Die zentrale Software führt alle Sensordaten zusammen und macht daraus ein nutzbares Lagebild. Der Open-Source-Orchestrierungslayer, eine offene Software-Schicht, die verschiedene Systeme koordiniert und ihre Daten zusammenführt, integriert und fusioniert Daten aus atomaren, biologischen und chemischen Sensoren, Wetterdaten und Warnmeldungen.
HYDRIS verarbeitet diese Daten in Echtzeit und speist sie direkt in die Lagekarte und Auswertesoftware der Bundeswehr ein, zum Beispiel in Situav und NEWS. Der schnittstellenoffene Ansatz ermöglicht eine bruchfreie Interaktion über Systemgrenzen hinweg. So entsteht ein durchgängiger Datenfluss: vom Sensor bis zur Entscheidung.
KI, die aus Daten Handlungsoptionen macht
Auf dieser Echtzeitarchitektur setzt Prisma auf.
Prisma ist die KI hinter dem Lagebild. Sie sammelt Daten nicht nur, sie verknüpft sie, bewertet die Lage und macht Zusammenhänge sichtbar.
Prisma verknüpft Sensordaten, Wettermodelle und öffentlich verfügbare Informationen. Sie berechnet Wahrscheinlichkeiten, erstellt ein klares Lagebild und priorisiert konkrete Handlungsoptionen für Führungskräfte.
Per Software-Update integriert Prisma neue Bedrohungssignaturen innerhalb weniger Tage. Die Bundeswehr reagiert damit im Wochenrhythmus statt in Jahreszyklen auf neue Gefahren.
Technologie unterstützt. Der Mensch entscheidet.
Human in the Loop bedeutet: Die Technik liefert Daten, bewertet die Lage und schlägt Handlungsoptionen vor. Die Entscheidung trifft immer der Mensch.
Yggdrasil und Prisma zeigen Führungskräften, was passiert und welche Schritte sinnvoll sein könnten. Ob Kräfte verlegt, Bereiche gesperrt oder Warnungen ausgelöst werden, entscheiden weiterhin Soldatinnen und Soldaten.
So bleibt Verantwortung dort, wo sie hingehört: beim Menschen.
Die Transformation der ABC-Abwehr ist deshalb kein reines Technologieprojekt. Sie entscheidet darüber, ob die Bundeswehr auch in komplexen Lagen handlungsfähig bleibt.
Als Bundeswehr-Startup verfolgt der CIHBw einen klaren Auftrag: unkonventionelle Lösungen für die Truppe entdecken und umsetzen.
Wenn Führungskräfte früher erkennen, was passiert, gewinnen sie Zeit. Genau diese Zeit entscheidet in der ABC-Abwehr über Schutz, Bewegungsfreiheit und Handlungsfähigkeit.