Analoge Führung im digitalen Gefecht?
Wir zeigen, wie es anders geht.
Wenn Sekunden entscheiden
Im Gefecht zählt jede Sekunde. Führungskräfte müssen in kürzester Zeit viele Informationen erfassen und daraus die richtige Entscheidung ableiten. Noch werten Soldatinnen und Soldaten diese Informationen weitgehend von Hand aus — das kostet Zeit, die über Erfolg oder Scheitern entscheidet. Hinzu kommt: Führungsstände, die Kommandoposten im Einsatz, geraten schnell ins Visier des Gegners. Fällt Schlüsselpersonal aus, bricht ein Teil der Lagebeurteilung weg.
Deshalb entwickelt der CIHBw gemeinsam mit dem Startup Comand AI die Software SmartLead — direkt aus dem Bedarf der Truppe und erprobt dort, wo Entscheidungen unter Zeitdruck fallen.
KI, die Klarheit in die Lage bringt
SmartLead wertet eingehende Meldungen, Karten, Befehle und Geländedaten automatisch aus. Aus hunderten Einzelinformationen entsteht in wenigen Minuten ein klares Lagebild und damit die Antwort auf die eine Frage: Was zählt für die Entscheidung jetzt?
Dafür nutzt SmartLead vor allem zwei Funktionen:
- Die Auftragsanalyse hilft Offizierinnen und Offizieren, den Befehl ihres Vorgesetzten schneller zu verstehen.
- Die Geländeanalyse zeigt in kurzer Zeit, wie das Einsatzgebiet aussieht und worauf die Truppe achten muss.
Erprobt in der laufenden Übung
Das Jägerbataillon 1 — ein infanteristischer Kampfverband der Bundeswehr für Einsätze im Gelände und in urbanen Räumen — erprobte SmartLead in Schwarzenborn direkt im Übungsbetrieb. Zuerst testete die Truppe die Software in Ruhe, dann integrierte sie sie in die laufende Übung.
Schon dort veränderte sich der Führungsprozess sichtbar: Die Truppe wertet Informationen früher aus, erfasst Aufträge schneller und erkennt, worauf es im Gelände ankommt. So wird der Führungsprozess nicht nur schneller, sondern auch robuster und flexibler.
Was die Truppe dabei am meisten überzeugt, bringt ihr Kommandeur auf den Punkt:
Beeindruckend ist, dass jede Soldatin und jeder Soldat merkt: Ihre Anmerkungen zählen und werden umgesetzt.
Sebastian Hagen
Oberstleutnant & Kommandeur Jägerbataillon 1
Genau dieser direkte Draht treibt die Entwicklung: Jede Rückmeldung aus der Truppe fließt unmittelbar in die nächste Version ein. So entsteht SmartLead im Zusammenspiel von KI und militärischer Praxis und zeigt, wie die Bundeswehr neue Technologien schnell entwickelt, mit der Truppe erprobt und in den Einsatz bringt.
Vom eigenen Auftrag zur Absicht des Gegners
SmartLead hilft der Truppe, den eigenen Auftrag und das Gelände schneller zu verstehen. Der nächste Schritt richtet den Blick auf die andere Seite: Was tut der Gegner und was könnte er tun?
Genau hier setzt Enemy Intent an, die Weiterentwicklung von SmartLead. Heute werten Soldatinnen und Soldaten gegnerische Aktivitäten weitgehend von Hand aus. Die Menge an Sensor- und Meldedaten wächst jedoch schneller, als ein Mensch sie im Gefechtsstand vollständig erfassen kann. Die Feindlage entsteht dadurch langsamer und wertvolle Zeit im Entscheidungsprozess geht verloren.
Enemy Intent bündelt eingehende Informationen zu einem klaren Bild der gegnerischen Lage. Auf dieser Grundlage zeigt das System mögliche Handlungsoptionen des Gegners auf.
So erhalten Führungskräfte schneller eine belastbare Feindlage und eine strukturierte, nachvollziehbare Grundlage für die eigene Entscheidung. Enemy Intent baut dabei direkt auf SmartLead auf: Wo SmartLead Auftrag, Umfeld und eigene Lage erschließt, ergänzt Enemy Intent den Blick auf den Gegner und rundet das Lagebild ab.