Laserstrahl zur Drohnenabwehr
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Laserdome

Laser zur Drohnenabwehr im Nahbereich

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Herausforderung

Das Skalierungsproblem im Counter-UAS-Bereich ist kein technisches, sondern ein ökonomisches

Wer Drohnenabwehr auf die Frage reduziert, welches System eine einzelne Drohne sicher abfangen kann, beantwortet die falsche Frage. Die operative Herausforderung in aktuellen Konflikten ist eine andere: Drohnenschwärme als Mittel zur Sättigung von Abwehrsystemen. Das Ziel ist nicht der Treffer — es ist die Erschöpfung von Munitionsvorräten und Bedienkapazität.

Das Grundproblem ist ökonomischer Natur: Eine Kleinstdrohne liegt im Beschaffungswert bei 500 bis wenigen Tausend Euro. Raketengestützte Abwehrsysteme kosten je nach Typ das Zehn- bis Hundertfache pro Einheit. Wer diese Kosten-Austausch-Verhältnis nicht strukturell auflöst, kann technologisch überlegen sein und trotzdem verlieren, weil der Angreifer das System nicht überwältigen, sondern nur unrentabel machen muss.

Kinetische Systeme scheitern hier strukturell. Jammer scheitern auf zwei Ebenen: hinsichtlich der Wirkung — glasfasergesteuerte Drohnen sind für Störsignale prinzipiell unangreifbar — und hinsichtlich der Kollateraleffekte im elektromagnetischen Spektrum: An Infrastrukturstandorten wie Flughäfen oder Energieanlagen sind breitbandige Störsignale operativ nicht tragfähig, weil sie Systeme treffen, die man nicht stören möchte. Hochenergielasersysteme wie Israels Iron Beam (100 kW) bringen eine Leistungsklasse mit, die für die Bekämpfung kleiner kommerzieller Drohnen weit über das Notwendige hinausgeht — mit entsprechend höherer Systemkomplexität und Betriebskosten. Die dominierende Bedrohung im aktuellen Konfliktkonstrukt sind jedoch genau diese Drohnen: handelsübliche Kleinstsysteme bis 25 kg, kommerziell verfügbar, in großer Stückzahl einsetzbar.

Die Fähigkeitslücke liegt nicht im Hochleistungsbereich. Sie liegt im Nahbereich — mit einem spezifischen Anforderungsprofil: präzise, kosteneffizient im Betrieb, augensicher, mobil einsetzbar, mit menschlicher Entscheidungshoheit.

Lösung

Fastlight Shield: Industrielle Laserstrahl-Lenktechnologie im Einsatzkontext

INLEAP Photonics GmbH , gegründet als Spin-off des Laser Zentrums Hannover, hat einen Ansatz entwickelt, der aus der industriellen Präzisionsfertigung stammt und für den Counter-UAS-Kontext adaptiert wurde. Das Grundprinzip: ultraschnelle, pixelbasierte Strahlsteuerung über ein elektrooptisches Kristallmedium, das über elektrische Signale seinen Brechungsindex ändert und damit die Strahlrichtung in Sekundenbruchteilen variiert — kombiniert mit einem softwaregestützten KI-Layer, der Drohnentyp und Schwachstellenprofile in Echtzeit klassifiziert.

In der Praxis bedeutet das: Das System kann mehrere Ziele innerhalb eines definierten Raumwinkels nicht sequenziell, sondern rasterbasiert adressieren. Bei bekannten Drohnentypen greift die KI auf eine Schwachstellendatenbank zurück und lenkt den Strahl gezielt auf Elektronikbaugruppen oder Antriebsverbindungen — Abfangzeiten im Sekundenbereich, bei einer Laserleistung von maximal zehn Kilowatt.

Der entscheidende Sicherheitsvorteil: Das System ist für den augensicheren Betrieb in zivil-gemischten Umgebungen konstruiert — durch eine fokussierende Strahlgeometrie, die den Gefahrenbereich drastisch begrenzt, kombiniert mit einer aktiven Personendetektion im Strahlgang. Und genau das ist der Grund, warum laserbasierte Drohnenabwehr in Europa bisher nicht operativ im Einsatz ist: Nicht die Wirkleistung fehlte, sondern die Lösung für dieses Sicherheitsproblem.

Lasereinheit in Palettengröße
Die Lasereinheit auf einem Anhänger
Einsatz

Laserdome in der Erprobung: Wo Technologie und Truppe gemeinsam entwickeln

Das Kerngeschäft des CIHBw ist die strukturierte Zusammenarbeit zwischen Startups und Streitkräften: Die Truppe bringt die operative Realität: Übungsplätze, Einsatzerfahrung, Anforderungen, die im Entwicklungsumfeld nicht entstehen. Das Startup bringt Technologiegeschwindigkeit und, im Fall von INLEAP, eine softwareunterstützte Lösung, die gezielt auf reale operative Herausforderungen ausgelegt ist. Was daraus entsteht, sind iterative Entwicklungszyklen, die direkt in die Systemreife fließen.

Im Innovationsvorhaben Laserdome läuft dieser Prozess seit April 2026 auf Bundeswehr-Übungsplätzen, begleitet von Soldatinnen und Soldaten. Die ersten Ergebnisse geben dem Ansatz Substanz: Im Verlauf der Versuchsreihe hat der Laser bereits Drohnen abgeschossen — so konnten im Test bereits DJI Mini Drohnen bei einer Wirkzeit von zwei Sekunden erfolgreich bekämpft werden.

Die Fragen, die sich dabei auf dem Übungsplatz stellen, sind andere als in der Systementwicklung: Welche Informationen braucht der Bediener, um unter Zeitdruck eine sichere Entscheidung zu treffen? Wie verhält sich der KI-Layer bei nicht-standardisierten Drohnentypen oder eingeschränkter Sicht? Wie verhält sich die Strahlführung unter unterschiedlichen Umgebungsbedingungen — bei Tracking vor Vegetation gegenüber offenem Himmel und wie wirkt sich Thermik bei starker Sonneneinstrahlung auf die Laserwirkung aus? Diese Fragen beantwortet kein Datenblatt — sie beantworten sich durch Iterationen zwischen Technologie und Truppe. Die Versuchsreihe endet mit einer Systemdemonstration, bei der Vertreter der Bundeswehr die Ergebnisse direkt evaluieren.

KI

Menschliche Entscheidungshoheit: Operativer Grundsatz, nicht Regulierungskompromiss

Was die Tech-Industrie als 'Physical AI' bezeichnet, Systeme, die autonom in der physischen Welt agieren und in Echtzeit entscheiden, drängt zunehmend in den globalen Defence-Diskurs unter dem Begriff der autonomen Waffensysteme (LAWS). Der Druck in Richtung vollständiger Systemautonomie ist dabei nicht irrational: Drohnenschwärme operieren im Sub-Sekundenbereich, schneller als eine menschliche Entscheidungsschleife in der klassischen Konzeption reagieren kann. Wer auf kinetische Abwehrsysteme angewiesen ist, bei denen der Bediener jede Reaktionskette selbst initiiert, hat tatsächlich ein Zeitproblem. Aus dieser Logik heraus propagiert der globale Autonomiediskurs vollständige Autonomie als strategische Notwendigkeit: KI-gestützte Zielerfassung und Wirkung ohne menschliche Schleife.

Fastlight Shield kann diese Prämisse grundlegend verändern. Der KI-Layer könnte eintreffende Drohnen klassifizieren, Ziele priorisieren und den Effektor in Echtzeit ausrichten — dadurch wäre die Reaktionsgeschwindigkeit des Systems ist nicht durch die menschliche Entscheidung begrenzt. Der Bediener gibt den Abfangvorgang frei, während das System bereits in Position ist. Bis dahin ist noch Entwicklungsarbeit zu leisten. Erste Erprobungen auf dem Übungsplatz zeigen, dass diese Schnittstelle zwischen KI-Priorisierung und menschlicher Freigabe operativ funktioniert, ohne die Reaktionsfähigkeit des Systems zu begrenzen. Danach übernimmt wieder das System: Strahl ausrichten, Drohne abfangen, nächstes Ziel.

Das löst das Zeitproblem, nicht durch Autonomie, sondern durch Aufgabenteilung: Die KI übernimmt, was Zeit kostet: Erkennen, Verfolgen, Ausrichten. Der Bediener entscheidet, was Urteilsvermögen erfordert. Beides läuft in derselben Zeitspanne, nicht mehr nacheinander. Die Entscheidungshoheit bleibt dort, wo sie operativ notwendig ist.

Denn Lethal Autonomous Weapons Systems versagen in gemischten Umgebungen, urbanen Räumen, Infrastrukturstandorten, Szenarien mit zivilen Luftraumnutzern,  an genau der Klassifikationssicherheit, die sie für sich beanspruchen. Autonome Systeme klassifizieren Objekte, sie beurteilen keine Einsatzlage. Ob eine erkannte Drohne im konkreten Kontext bekämpft werden darf und soll, hängt von Einsatzregeln, aktivem Lagebild und Trajektorieanalyse ab, nicht von Objekterkennung allein. Genau diese Entscheidungsdimension liegt beim Menschen. Human-in-the-Loop ist in diesem Modell kein Kompromiss, es ist die Voraussetzung dafür, dass Wirkung regelkonform, lagerichtig und verantwortbar bleibt.

Laserdome erprobt beides: ob laserbasierte Drohnenabwehr unter realen Einsatzbedingungen operativ wirksam ist und ob eine Mensch-Maschine-Architektur mit Human-in-the-Loop dabei die Reaktionsgeschwindigkeit liefert, die operative Relevanz erfordert, ohne die Entscheidungshoheit aufzugeben. Die Antwort entsteht im Feedback der Truppe und aus den Daten der abgeschossenen Drohnen.