CIP macht aus Daten ein Lagebild
Die Crowd Information Platform (CIP) durchsucht öffentlich zugängliche Bilder und Videos in Echtzeit, um Ereignisse im Einsatzraum schneller zu erkennen.
Jede Information entscheidet
Ob Brücke, Gelände oder gegnerische Stellung: Für Soldatinnen und Soldaten zählt im Einsatz jede Information. Wie lassen sich einsatzrelevante Informationen in Echtzeit gewinnen? In welchem Zustand ist die Infrastruktur im Zielgebiet? Können Panzer und anderes schweres Gerät das Terrain sicher passieren?
Diese Fragen entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg einer Mission. Wer zu spät erkennt, dass eine Straße unpassierbar ist, eine Brücke zerstört wurde oder schweres Gerät ein Gebiet nicht erreichen kann, verliert Zeit, Handlungsspielraum und im schlimmsten Fall Menschenleben.
Genau hier setzt die Crowd Information Platform (CIP) an. Gemeinsam mit Munich Innovation Labs entwickelt der Cyber Innovation Hub eine Software, die öffentlich verfügbare Inhalte aus sozialen Netzwerken wie X, Facebook und Telegram, aus Blogs und weiteren Quellen im Internet in Echtzeit durchsucht.
Die Software erkennt relevante Bilder, Videos und Beiträge automatisch. Anschließend markiert die Plattform diese Inhalte und ordnet sie direkt dem Lagebild zu. Künstliche Intelligenz wertet die Informationen aus und ergänzt das militärische Lagebild um eine zusätzliche Ebene. So erkennen Einheiten schneller, wie sich ein Einsatzraum verändert und welche Risiken vor ihnen liegen.
„Mit CIP erschließen wir einen zusätzlichen, derzeit fast ungenutzten Datenpool. Die Crowd Information Platform ermöglicht durch die KI-gestützte Auswertung eine zusätzliche Analyseebene, die das militärische Lagebild weiter präzisieren kann“, sagt Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr.
Informationen in Sekunden
CIP durchsucht öffentlich zugängliche Quellen im Internet in Sekunden, vor allem soziale Netzwerke und Messenger wie X, Facebook und Telegram. Die Plattform analysiert dabei Bilder, Videos, Blogbeiträge und Texte nicht nur nach einzelnen Schlagwörtern, sondern erkennt auch Objekte, Orte und Zusammenhänge.
Dafür nutzt die Software Large Language Models (LLMs), also große Sprachmodelle, und Few Shot Learning. Bei diesem Verfahren lernt die Künstliche Intelligenz mit nur wenigen Beispielen, welche Inhalte relevant sind. Analystinnen und Analysten müssen die Modelle deshalb nicht aufwendig trainieren.
Grundsätzlich lässt sich CIP weltweit einsetzen. Im ersten Test wertete die Plattform Beiträge aus dem Ukrainekrieg und dem Nahostkonflikt aus.
Im nächsten Schritt ergänzt CIP Bilder und Videos automatisch um Zeit und Ortsmarker. So erkennen Analystinnen und Analysten direkt, wann und wo Inhalte entstanden sind. Neue Hinweise lassen sich dadurch sofort mit bestehenden Lageinformationen verbinden."
Unsere KI ersetzt keine Analyst:innen, sondern gibt Anwender:innen ein Tool für die Arbeit mit großen Datenmengen.
Dr. Stefan Taing
Gründer und CEO von Munich Innovation Labs
Mehr Daten. Schnellere Entscheidungen.
Der Geoinformationsdienst der Bundeswehr erhält mit CIP eine neue Informationsquelle, die bestehende Analyseprozesse erweitert. Die Plattform liefert zusätzliche Erkenntnisse, ohne dass Analyst:innen mehr Zeit oder Personal einsetzen müssen.
CIP verschafft der Bundeswehr mehr Daten, schnellere Abläufe und präzisere Analysen. Dadurch verbessert die Plattform direkt die Informationsüberlegenheit im Einsatz.
Fast wie vor Ort
Bereits in der Testphase lieferte die Software Hinweise zum Zustand von Gelände, Infrastruktur und Umweltbedingungen. Bilder und Videos zeigen, ob Straßen passierbar bleiben, Brücken noch stehen oder Einheiten ein Gebiet sicher erreichen können.
CIP schafft damit ein kontinuierlich aktualisiertes Lagebild des Einsatzraums und ergänzt bestehende Aufklärung gezielt um visuelle, datenbasierte Einblicke. Ziel ist nicht, alle Einsatzräume vollständig zu kartografieren, sondern Entscheidungsträgern schneller verlässliche Informationen bereitzustellen, wenn es darauf ankommt.
So entsteht eine zusätzliche Perspektive auf den Einsatzraum, fast so, als stünden Soldatinnen und Soldaten direkt vor Ort.
Wie geht es mit CIP weiter?
Skalierung in der Bundeswehr
Die ersten Tests zeigen: CIP lässt sich auch in anderen Bereichen der Bundeswehr einsetzen. Dafür braucht die Plattform keine umfangreichen Anpassungen.
Stimme des Hubs
„Ob und wann CIP in die Bundeswehr eingeführt wird, wird nicht durch uns entschieden, derzeit wird nur die technische Umsetzung erprobt. Das gilt besonders für die Klärung der rechtlichen Fragen, die mit dem Einsatz der Plattform in Verbindung stehen. Was wir hingegen aber gerne tun: Die Diskussion über die Nutzung solcher Systeme anstoßen! Die ersten Tests zeigen: CIP lässt sich auf andere Bereiche der Bundeswehr übertragen — ohne große Anpassungen“, so Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr.