Baumfalke
Das mobile Ortungssystem
Springen luftlandefähige Kräfte in unbekanntes Gelände, beginnt die elektronische Aufklärung oft, bevor überhaupt ein eigenes Kommunikationsnetz vor Ort steht. Über elektromagnetische Aufklärung lässt sich schnell erkennen, dass in der Umgebung gesendet wird. Ein einzelner Empfangspunkt verrät dabei aber nur, dass ein Signal ankommt, nicht von wo. Erst wenn mehrere Punkte im Gelände den exakten Zeitpunkt vergleichen, an dem dasselbe Signal bei ihnen eintrifft, lässt sich daraus ein tatsächlicher Ort berechnen. Genau das war mit der bisherigen Ausrüstung nicht zu leisten: mehrere solcher Messpunkte gleichzeitig im Gelände zu platzieren und dabei so klein und mobil zu bleiben, dass ein vierköpfiger Trupp sie aus der Luft mitführen kann.
Auch die 4. Kompanie des Elektronischen Kampfbataillons 932 kannte dieses Problem aus dem eigenen Einsatzalltag. Ein dreiköpfiges Team aus der Kompanie skizzierte dafür eine eigene Lösung und brachte sie zum Cyber Innovation Hub der Bundeswehr.
Im Intrapreneurship-Programm des CIHBw setzte das Team seine Idee selbst um. Daraus entstanden ist das System Baumfalke. Die Antwort auf das Platzierungsproblem: kleine, leichte Sensor Cases, die sich einzeln im Gelände verteilen lassen. Jeder Sensor hält den exakten Zeitpunkt fest, zu dem ein Signal bei ihm eintrifft; aus dem Zeitversatz zwischen den Sensoren errechnet Baumfalke den Ursprungsort (Time Difference of Arrival). Die Sensoren vernetzen sich dafür selbstständig über ein energiesparendes Funknetz, lassen sich remote steuern und übertragen ihre Ortungen automatisch in die Auswertesysteme der Truppe — leicht und kompakt genug, damit ein Trupp sie tatsächlich aus der Luft mitführen kann.
Erprobt in der Experimentalserie Land 2025 sowie auf mehreren Übungen, lieferte Baumfalke luftlandefähigen Kräften einen nachgewiesenen Mehrwert für ihre Operationsführung. Statt aufwendiger Neuentwicklung nutzt das System überwiegend bereits vorhandene Ausrüstung in neuer Konfiguration. Eine Skalierung auf weitere Truppengattungen wie Gebirgsjäger oder Spezialkräfte gilt als technisch möglich und sinnvoll. Mittlerweile wird das System bereits im Rahmen der Mission VIGO an der NATO-Ostflanke getestet. Der Prototyp bleibt im Einsatz und wird von der Truppe eigenständig weiterentwickelt.