Mine-GeoJSON
Vom Sensor direkt ins Lagebild: ein Standard für die Minenerkundung im Einsatz
Ein gemeinsamer Standard für schnellere Einsatzentscheidungen
In modernen Einsätzen zählt jede Sekunde, besonders wenn es darum geht, Gefahren wie Minenfelder zu erkennen.
Das Problem: Unterschiedliche Systeme nutzen oft verschiedene Datenformate und können nicht direkt miteinander arbeiten. Dadurch gehen Zeit und wichtige Informationen verloren. In internationalen Einsätzen wird das noch schwieriger. Selbst moderne Sensoren können ihr volles Potenzial nicht nutzen, wenn ihre Daten nicht einfach in bestehende Lagebilder übernommen werden können.
Genau hier setzt Mine-GeoJSON an. Mine-GeoJSON, benannt nach GeoJSON (Geographic JavaScript Object Notation) ist ein offenes und herstellerunabhängiges Datenformat für die Kampfmittelerkundung. Es sorgt dafür, dass Daten aus verschiedenen Sensoren und Systemen einheitlich erfasst und direkt weitergegeben werden können.
Die Idee: Alle Geräte, ob Drohnen, Fahrzeuge oder tragbare Systeme, nutzen dieselbe „Sprache“. So fließen Informationen ohne Umwege direkt in digitale Einsatzsysteme wie SitaWare Frontline: eine Software, mit der Einsatzkräfte Lagebilder erstellen, teilen und in Echtzeit nutzen können.
Mine-GeoJSON ist damit ein Baustein von Software Defined Defence (SDD): Nicht die Hardware entscheidet über Schlagkraft, sondern wie gut die Systeme miteinander vernetzt sind.
Ein Standard, vier Akteure
Mine-GeoJSON wurde mit einem klaren Ziel entwickelt: ein einheitliches Datenformat schaffen, das von allen genutzt werden kann. So können Daten aus der Kampfmittelerkundung direkt verstanden und verwendet werden.
Das war nur möglich, weil verschiedene Partner ihr Wissen eingebracht haben. Der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) hat das Projekt angestoßen, das Problem erkannt und die richtigen Akteure zusammengebracht.
Die Luftlandepioniere haben ihre Erfahrung aus dem Einsatz eingebracht und gezeigt, was in der Praxis wirklich gebraucht wird.
Das Startup ASDRO GmBh stellte eine Drohne mit Magnetsensor zur Verfügung, die Daten direkt im neuen Format erfasst. Die Bootcamp Bros. GmbH entwickelten eine Schnittstelle, mit der diese Daten automatisch in das Einsatzsystem SitaWare Frontline übertragen werden.
Durch diese enge Zusammenarbeit aus Bundeswehr, Startups und Technologie konnte Mine-GeoJSON in kurzer Zeit von der Idee in die Praxis umgesetzt werden.
Die ersten Tests verliefen erfolgreich
Eine ASDRO-Drohne, also eine Drohne mit Sensoren zur Erkennung von Minen, erfasste Minensignale aus der Luft und speicherte die Daten direkt im Mine-GeoJSON-Format.
Der Minesweeper Connector las diese Daten automatisch ein und übertrug sie in das Testsystem SitaWare. So standen sie kurze Zeit später im Lagebild der Luftlandepioniere zur Verfügung.
Das Ergebnis: keine manuelle Bearbeitung, ein einheitliches Datenformat und domänenübergreifende Nutzbarkeit. Ein praktischer Beweis dafür, dass Interoperabilität in der Kampfmittelerkundung keine Vision mehr ist, sondern Realität.
Mine-GeoJSON löst gleich vier Probleme
Interoperabilität: Partnernationen, Einsatzkommandos und Hersteller arbeiten auf Basis derselben Datenstruktur.
Effizienz: Weniger Zeit für Aufbereitung, mehr Zeit für Analyse und Entscheidungen.
Zukunftsfähigkeit: Der offene Standard lässt sich jederzeit um neue Felder, Sensoren und Szenarien erweitern.
Humanitärer Aspekt: Minenräumteams können die Daten nach Ende eines Konflikts nahtlos übernehmen.
Klare Orientierung für Startups
Für Startups im Bereich der Kampfmittelerkundung fehlte bislang eine verbindliche Vorgabe: Wie sollen Informationen strukturiert, aufbereitet und übergeben werden? Das führte zu Unsicherheiten und dazu, dass Startups ihren technologischen Vorsprung oft nicht voll ausschöpfen konnten.
Mine-GeoJSON schafft hier Klarheit. Hersteller und Entwickler wissen nun von Beginn an, welche Datenfelder und Strukturen der militärische Kontext erfordert. So bremsen Schnittstellenprobleme keine Innovationen mehr aus, und der technologische Vorsprung der Startups entfaltet sich sofort im Einsatz.
Mine-GeoJSON ist jetzt frei zugänglich
Mit den erfolgreichen Praxistests steht der nächste Schritt fest: Der CIHBw macht Mine-GeoJSON frei zugänglich. Jeder Hersteller, jedes Startup und jede Organisation, die im Bereich Kampfmittelerkundung und -räumung arbeiten, können den Standard ab sofort nutzen und in eigene Systeme integrieren. Das gilt nicht nur für militärische Akteure, sondern auch für humanitäre Minenräumteams, die die Daten nach Beendigung eines Konfliktes nahtlos übernehmen können. Die vollständige Spezifikation, Implementierungsbeispiele und Integrationshinweise sind frei verfügbar.
Von der Pilotphase zum Einsatz
Der Weg zu diesem Standard zeigt, wie Innovation entsteht: Startups bringen Tempo und den Mut zum Experimentieren, militärische Einheiten liefern die Erfahrung aus dem Einsatz, und der CIHBw verbindet beide Welten.
Diese Zusammenarbeit ist ein zentraler Teil von Software Defined Defence (SDD). Dabei entscheidet nicht mehr die einzelne Hardware über die Leistungsfähigkeit, sondern wie gut Software und Systeme miteinander vernetzt sind. Genau deshalb konnte Mine-GeoJSON so schnell umgesetzt werden.
Das Ziel ist klar: Die Lösung für die Bundeswehr fertig entwickeln und im Einsatz bereitstellen. Gleichzeitig sollen internationale Partner und Unternehmen den Standard übernehmen und in ihre Systeme integrieren. Gerade im Kontext der Bündnisverteidigung kann ein schnellerer Informationsfluss im Ernstfall Leben retten.
Denn moderne Verteidigung funktioniert nur, wenn Technologie, Standards und Menschen nahtlos zusammenarbeiten. Mine-GeoJSON schafft dafür die Grundlage und wird auf GitHub laufend weiterentwickelt.