Effiziente Drohnenabwehr durch KI-gesteuerte Interceptor-Drohnen

Der anhaltende Krieg in der Ukraine verdeutlicht die veränderte Dynamik moderner Kriegsführung: Der massive Einsatz von Drohnen – sowohl für Aufklärungszwecke als auch für Angriffe auf militärische und zivile Infrastruktur – stellt Verteidiger vor erhebliche Herausforderungen. Besonders problematisch ist das Missverhältnis zwischen den vergleichsweise geringen Kosten feindlicher Kamikaze-Drohnen und den extrem hohen Kosten konventioneller Abwehrsysteme wie Patriot- oder IRIS-T-Raketen. Hier setzt das Innovationsvorhaben Interceptor-Drohnenabwehr an, das der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) mit dem Startup TYTAN Technologies entwickelt hat.

 
HERAUSFORDERUNG

Feindliche Drohnen spielen eine zunehmend zentrale Rolle auf dem Gefechtsfeld. Sie werden für Zielaufklärung, Feuerleitung und direkte
Angriffe eingesetzt. Besonders Kamikaze-Drohnen wie die russisch genutzte Shahed-136 (NATO-Klassifikation: Drohnen der Klasse 2) verursachen erhebliche Schäden an kritischer Infrastruktur. Ihre vergleichsweise niedrigen Anschaffungskosten – zwischen 20.000 und 50.000 US-Dollar – stehen den millionenschweren Kosten herkömmlicher Abwehrmaßnahmen gegenüber. Eine nachhaltige Luftverteidigung benötigt daher Lösungen, die schnelle Reaktionszeiten mit wirtschaftlicher Effizienz verbinden.

Die Interceptor Drohne startet zum Abfangen eines angreifenden Flugobjekts.
Die Gründer des Münchener Startups TYTAN Technologies hatten die Idee zur Interceptor Drohne. Gemeinsam mit dem CIHBw gelang es ihnen innerhalb eines Jahres die Drohne so weit zu entwickeln, dass ein erster Feldtest gemeinsam mit der Bundeswehr erfolgreich stattfinden konnte.
LÖSUNG

Gemeinsam mit TYTAN Technologies hat der CIHBw ein neuartiges System zur Drohnenabwehr erprobt: eine KI-gesteuerte Interceptor-Drohne, die gegnerische UAVs mittels kinetischer Kollision ausschaltet. Die Vorteile dieses Konzepts liegen auf der Hand:
 • Autonome Zielerfassung: Nach der Identifizierung einer feindlichen Drohne durch Radar oder andere Sensoren berechnet eine KI eine optimale Abfangzone.
• Hohe Geschwindigkeit: Mit bis zu 300 km/h nähert sich die Interceptor-Drohne dem Ziel und neutralisiert es durch einen gezielten kinetischen Aufprall.
• Kosteneffizienz: Im Vergleich zu raketenbasierten Abwehrsystemen stellt diese Methode eine signifikante Einsparung dar.
• Flexibilität durch additive Fertigung: Dank 3D-Drucktechnologie kann die Produktion dezentral erfolgen, und das modulare Design ermöglicht schnelle Anpassungen an neue Bedrohungen.

 

TESTS ZEIGEN VIELVERSPRECHENDE ERGEBNISSE

Am Standort Ohrdruf wurde das System in einem ersten Feldtest erprobt. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die Interceptor-
Drohnen feindliche UAVs in großer Entfernung und Höhe effektiv neutralisieren können. Nach der Freigabe durch den Bediener kann
der Abfangvorgang autonom erfolgen. Die KI-gestützte Drohnenabwehr bietet eine kosteneffiziente, skalierbare und technologisch innovative Lösung für die moderne Luftverteidigung. Insbesondere in Szenarien mit hoher Drohnendichte – wie in der Ukraine – könnte dieses System einen entscheidenden Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit leisten. Die Weiterentwicklung solcher Technologien ist daher essenziell, um Bedrohungen durch unbemannte Systeme nachhaltig zu begegnen.