CIP: Crowd Information Platform

Wie lassen sich einsatzrelevante Informationen in Echtzeit gewinnen? In welchem Zustand ist die Infrastruktur im Zielgebiet? Können Panzer und anderes schweres Gerät das Terrain sicher passieren? Diese Fragen können über Erfolg oder Misserfolg von Missionen entscheiden. Eine zerstörte Brücke, unpassierbares Gelände oder gegnerische Stellungen – Informationsüberlegenheit durch ein präzises Lagebild schützt das Leben von Soldat:innen.

Mit der Crowd Information Platform (CIP) legt das Münchener Startup Munich Innovation Labs zusammen mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr eine dynamische Software vor, die öffentlich verfügbare Informationen aus dem Internet – insbesondere Social-Media-Plattformen wie X, Facebook und Telegram – gezielt nach relevanten Informationen durchsucht. „Mit CIP erschließen wir einen zusätzlichen, derzeit fast ungenutzten Datenpool. Die Crowd Information Platform ermöglicht durch die KI-gestützte Auswertung eine zusätzliche Analyseebene, die das militärische Lagebild weiter präzisieren kann.“, erklärt Hauptmann Jakob N., der das Projekt als CIHBw-Innovationsmanager leitet.

Ist das Gelände im Zielgebiet für schweres Gerät passierbar? Wo liegen gegnerische Stellungen? Mit der Bereitstellung von zusätzlichen "Eyes on the Ground" stellt CIP relevante Geoinformationen bereit.
Die ersten erfolgreichen Tests haben gezeigt, dass CIP ein hohes Skalierungspotenzial für andere Bereiche der Bundeswehr hat. Zahlreiche Analyst:innen verschiedener Organisationsbereiche haben den Text begleitet.
Die Crowd Source Information Platform (CIP) durchsucht relevante Kanäle im Internet mit Fokus auf Social-Media-Plattformen nach relevanten Informationen – und verbessert das Lagebild durch eine zusätzliche Analyseebene.
„Unsere KI ermöglicht Analyst:innen, sich auf Datenanylse statt manueller Auswertungen zu fokussieren." erklärt Dr. StefanTaing, CEO und Mitgründer von Munich Innovation Labs.
Oberstleuntnant Tomas T. vom Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr begleitet als Nutzer das Innovationsvorhaben und gibt aus erster Hand Feedback für Anpassungen an der Software.
CIP im Außentest: Die Anwender:innen erproben die App im Gelände.
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Informationsgewinnung in Echtzeit

Die Plattform schöpft die Daten relevanter Kanäle in Echtzeit ab, durchsucht und setzt entsprechende Marker bei relevanten Bildern, Bloginhalten und Videobeiträgen. Die Software nutzt neben Text- und Einzelstichwortsuche auch neuste KI-Algorithmen für Objekterkennung wie Large Language Models (LLM) oder Few-Shot Learning. Diese filtern ohne langwieriges Antrainieren der Modelle durch den jeweiligen Nutzer relevante Inhalte aus Millionen Bildern und Videos präzise heraus. „Theoretisch ist die Plattform weltweit einsetzbar. In unserem ersten Testlauf beschränken wir uns allerdings auf Social Media Daten, die während des Ukrainekrieges und dem Nahostkonflikt erstellt wurden“, hebt Hauptmann Jakob N. hervor. In einem zweiten Schritt erfolgt eine automatische Geolokalisierung, die Zeit- und Raummarker setzt. Auf diese Weise können Analyst:innen die neu gewonnenen Daten mit bereits vorhandenen Informationen in Verbindung setzen und neue Erkenntnisse gewinnen.

Ziel des Innovationsvorhabens ist es, dem Geoinformationsdienst der Bundeswehr als Nutzer eine neue und sehr umfangreiche Informationsquelle zur Verfügung zu stellen, um ohne Mehraufwand für das eingesetzte Personal, bestehende Analyseprozesse zu erweitern und neue Erkenntnisse zu gewinnen. „Unsere KI ersetzt keine Analyst:innen, sondern gibt den Anwender:innen ein wichtiges Tool in die Hand, dass ihnen die Arbeit mit großen Datenmengen ermöglicht.“, erläutert Dr. Stefan Taing, Gründer und CEO von Munich Innovation Labs, den Mehrwert der Plattform.

Wichtiger Beitrag zur Landes- und Bündnisverteidigung

„Das besondere an CIP ist, dass wir nun mit einer hohen Geschwindigkeit agieren können und uns dreifach verbessern: Wir haben Zugang zu mehr Daten, wir arbeiten effektiver und erleben eine signifikante Erweiterung in unserer Analysefähigkeit“, stellt Hauptmann Jakob N. fest.

Auch das Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr, dass im Rahmen der Testphase die Software erprobt, sieht viel Potential in diesem Innovationsvorhaben: „Direkt vor Ort aufgenommene Bilder und Videos können uns wertvolle Hinweise für die Beurteilung des Geländes geben, zum Zustand der Verkehrsinfrastruktur oder der aktuellen Umweltbedingungen in unseren Interessensgebieten. Mit CIP können wir den Raum aus einer weiteren Perspektive sehen, fast so, als ob wir direkt vor Ort wären – ein großer Zugewinn und ein wertvoller Beitrag für die Sicherstellung der Informationsüberlegenheit unserer Streitkräfte. Somit ist die Crowd Source Information Platform auch ein sehr gutes Beispiel für ein Digitalisierungsvorhaben im Kontext von Landes- und Bündnisverteidigung“, so Oberstleutnant Tomas T.

„Ob und wann CIP in die Bundeswehr eingeführt wird, wird nicht uns entschieden, derzeit wird nur die technische Umsetzung erprobt. Das gilt besonders für die Klärung der rechtlichen Fragen, die mit dem Einsatz der Plattform in Verbindung stehen. Was wir hingegen aber gerne tun: Die Diskussion über die Nutzung solcher Systeme anstoßen! Die ersten erfolgreichen Tests haben uns gezeigt, dass es ein hohes Skalierungspotenzial für andere Bereiche der Bundeswehr – auch ohne umfangreiche Änderungen oder Softwareanpassungen gibt“, so Sven Weizenegger abschließend, Leiter des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr.