Yarded in Feldübung mit Logistikbataillon 163 erfolgreich getestet

Um eine zeitgemäße Landes- und Bündnisverteidigung sicherzustellen, müssen im Ernstfall große NATO-Verbände schnellst möglichst über Landesgrenzen hinweg verlegt werden können. Der Logistik der Bundeswehr kommt in diesem Prozess eine Schlüsselrolle zu. Deutschland wäre im Krieg eine große militärische Drehscheibe. Die Logistik der Bundeswehr muss gewährleisten, dass Fahrzeuge und Kriegsmaterial dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Um die dahinterstehenden militärischen Verfahren zu vereinfachen und zu digitalisieren, haben die Bundeswehr-Intrapreneure Kapitänleutnant Eric L. und die Hauptleute Anna T. sowie Oskar H. aus dem Logistikbataillon 163 RSOM gemeinsam mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr eine marktverfügbare Software weiterentwickelt.

Entstanden ist das System YARDED, das Offiziere befähigt, Material- und Fahrzeugströme im Aufmarschgebiet, der sogenannten Marshalling Area, effizient einzuplanen und aktiv zu steuern. So kann Deutschland seine Aufgaben innerhalb der NATO effizienter und agiler erfüllen. Im Kriegsfall müssten nämlich Soldaten wie Kapitänleutnant Eric L. täglich 500 Fahrzeuge und mehr als 2.500 Tonnen Material in den RSOM-Prozess der NATO überführen.

Die Abkürzung steht für „Reception Staging and Onward Movement“. Ein Prozess, der in der Bundeswehr noch lange Zeit mit Papier und Bleistift durchgeführt wurde – ein Zustand, den Kapitänleutnant Eric L. zu Recht nicht mehr für zeitgemäß hält. „Die Verwaltung der logistischen Prozesse hat mich vorher immer ausgebremst. Mit YARDED haben wir nun eine Software in der Hand, mit dem wir mehr Daten, mehr Material und mehr Fahrzeuge bearbeiten und umschlagen können“, erklärt der Kapitänleutnant.

Funktionstest unter realen Einsatzbedingungen

Im niedersächsischen Delmenhorst führte das Logistikbataillon 163, das in den NATO-Strukturen den RSOM-Prozess umsetzt, nun einen dreitägigen Feldtest mit der für die Bundeswehr konfigurierten Software YARDED durch. „Ziel der Übung ist es, Schwachstellen der Software sichtbar zu machen, die Anwendung mit Soldatinnen und Soldaten unter realen Einsatzbedingungen zu testen und sie dadurch zu verbessern“, so Bundeswehr-Intrapreneur Eric L weiter. Oberstleutnant Julian H., Kommandeur des Logistikbataillons, zeigte sich bereits am Vormittag des ersten Testtages optimistisch: „Wir hatten kleine Startschwierigkeiten, aber das, was ich bis jetzt erlebe, ist ein großer Erfolg und ein gewaltiger zeitlicher Vorteil.“

Schon im Januar 2022 erkannte der Bataillonskommandeur das große Potenzial hinter der Software YARDED. Gemeinsam mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr bildete sich schnell ein Projektteam um die drei Hauptleute aus dem Bataillon heraus, die aus verschiedenen Logistikbereichen stammen. Das System YARDED sorgt für eine digitale und transparente Planung für alle in der Marshalling Area involvierten Verbände. Dabei gibt das System auch Empfehlungen ab, die den Kommandeuren im Einsatz als Entscheidungshilfen dienen können. Auch Oberst Alexander H., Kommandeur der Mobilen Logistiktruppe der Streitkräftebasis, ist von dem Innovationspotenzial überzeugt: „Wir möchten YARDED mit Kraft weiter unterstützen. Mein Appell ist eindeutig: Wir haben hier eine Software, die uns echt weiterbringen kann und sich eventuell sogar an die Truppe ausrollen lässt.“

Innovationsvorhaben mit großem Potenzial

Die Erwartungen an den Feldtest in Delmenhorst sind deshalb hoch. Das Innovationsvorhaben #142 des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr hat das Potenzial, die logistischen Prozesse der Streitkräfte weiterzuentwickeln und zu optimieren. Da die Software offen konzipiert ist, können sich noch weitere Truppengattungen und Organisationsbereiche der Bundeswehr am Projekt beteiligen. Darüber hinaus ist das Projekt auch für alle NATO-Partner interessant, die wie Deutschland vor ähnlichen logistischen Herausforderungen im Bündnisfall oder bei Großübungen stehen. Auf jeden Fall konnten die Bundeswehr-Intrapreneure bereits die Bündnispartner bei der bei der aktuellen NATO Innovation Challange „Military Mobility“ überzeugen: Die Bundeswehr gewann mit YARDED den ersten Platz und konnte sich gegenüber starken Teams aus Estland, Frankreich, Kanada und den USA durchsetzen.

Am Ende konnten auch die Bundeswehr-Intrapreneure zufrieden mit ihrem Feldtest sein: „Mit den Planungsergebnissen aus der Übung sind wir derzeit sehr zufrieden“, erklärt Hauptmann Oskar H. im Namen des Planungsteams. Die Daten zeigten einen deutlichen Vorteil von YARDED: „Unsere Planung ist schneller, präziser, deutlich verständlicher und übersichtlicher in der Visualisierung. Durch die Software werden Prozess standardisiert.“ Allerdings sei die Prozesseinstellung noch eine Herausforderung, weil jeder beteiligte Soldat mehr Verantwortung übertragen bekäme. Durch die künstliche Umgebung der Übung sei YARDED an manchen Stellen überfordert gewesen, so der Hauptmann. „In der Übung waren die Übergänge zu schnell. Im scharfen Einsatz treten auch längere Stehzeiten auf.“ Nun werde man im Nachgang die Übung auswerten und Schwachstellen der Software gemeinsam mit dem Dienstleister ausbessern, ergänzte Kapitänleutnant Eric L.

Gelebte Zeitenwende

Auch Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr, ist vom Ergebnis der Übung in Delmenhorst überzeugt: „Der heutige Erfolg zeigt: Innovation ist kein Zufall, Innovation ist harte Arbeit. Unser Ziel ist es, YARDED nun im weiteren NATO-Kontext zu erproben und möglichst schnell bündnisweit zu skalieren. Das ist unser aktiver Beitrag zur Landes- und Bündnisverteidigung.“ Der Erfolg zeige auch, wie gut das CIHBw Innovationsprozesse beherrsche und zu welchen Innovationstempo die Bundeswehr heute schon fähig ist. Weizenegger: „Unser CIHBw-Innovationsvorhaben YARDED ist die gelebte Zeitenwende. Nun wollen wir als Hub auch die Energie aus der Übung mitnehmen, um die Software als Fokus zusammen mit der Streitkräftebasis der Bundeswehr voranzutreiben.“